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Gender in Natur-, Umwelt-, und Technikwissenschaften

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Leider muss die Fortbildung am 13.2. ausfallen, da die Referentin erkrant ist!

Achtung: Terminänderung!
Außerdem: Es sind noch Plätze frei!




GiNUT und E-Learning
(PDF, 469,2 KB)




Themen:

3. Block:
Das Bild des "Ingenieurs" - Realität und Fiktion. Lebensrealtität, Lebensentwürfe und Berufsbild.

4. Block:
Das GEN - gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung eines naturwissenschaftlichen Begriffs.

5. Block:
Mensch und Maschine im Science Fiction.


Mehr informationen hier oder per !


GiNUT. Wir integrieren Gender in Natur-, Umwelt- und Technikwissenschaften .

 
„Frauen sind selbstverständlich immer mit gemeint!“ ist ein mit Überzeugung geäußerter Satz. Wir hören ihn auf den Karrierewegen von Frauen sehr oft. Und immer begleitet diesen Satz ein augenfälliger Missstand: IHRE Unterrepräsentanz ‑ in der Sprache, unter den berufenen Forschenden und angestellten Lehrenden, im Führungspersonal, in Hinblick auf die als interessant angenommenen Fachthemen und zugrundegelegten Problemlagen, bei der Berücksichtigung von Lernstilen und Lehrmethoden, bei Leistungsbemessungsverfahren, in Qualifikationszielen und Berufsbildern, ....

Auch die Ingenieurwissenschaften melden jenes „mit meinen“ und erweisen sich so als überraschend traditionell anstatt durch bloßes Tun zu glänzen. Der Effekt sticht ins Auge: Ingenieurstudentinnen sind rar - schon zu Studienbeginn und auch an der TU Berlin. So gibt es im WS 06/07 im Studiengang Technischer Umweltschutz (Diplom) nur 40% Studentinnen unter den Erstsemestern und Maschinenbau (BA) zieht sogar nur knapp 10% Studienanfängerinnen an.[1] Und haben heißt nicht halten: In den ersten Semestern brechen durchaus einmal 37% des Studienanfangsjahrganges das Studium wieder ab[2] – geringe Studienanfängerinnenquoten schrumpfen besonders in den ersten Semestern zu noch geringeren Studentinnenanteilen.

Und Ingenieurinnen? Sie sind noch rarer. Lediglich 21 % Ingenieursabsolventinnen verließen die TU Berlin 2005[3] Ingenieurmangel? Die „Helden der deutschen Industrie“ fehlen, titelte die Tageszeitung (TAZ) am 18.8.07 - aber ist hier der Heldinnenmangel bereits eingeschlossen? Wenn SIE (grade jetzt) keine Karriere macht in Hochschule, Beruf, Arbeitswelt – selber schuld!? Oder folgt SIE nicht doch einfach dem `heimlichen Lehrplan´, der ihr spätestens im Studium in Inhalten und Lehrdidaktik, in Berufsbildern und Peergroups, in Gestalt von Karriererepräsentanten und Veröffentlichungslisten nahe legt, sich als Frau und Ingenieurin unsichtbar zu machen, die eigene Lebensrealität anzupassen - oder alternativ sich aus diesem Ausbildungs – und Berufsfeld rauszuhalten.

Mit dem genderLabor fangen wir an, wo andere aufhören und Studentinnen vermehrt das Handtuch schmeißen: In der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung. Wir berücksichtigen Studenten – und Studentinnen. Nach dem Motto: Männer sind ANDERS – Frauen auch – zeigen wir, was es heißt, Gender als Wahrnehmungsmuster und als Handlungsanleitung in die Ingenieursausbildung zu integrieren. Wir schreiben den `heimlichen Lehrplan´ in den Prozesswissenschaften neu. Wir integrieren Erkenntnisse aus geschlechtersensiblen Untersuchungen über Denkweisen, Lehrinhalten, Forschungsobjekten, Lehrdidaktik und Kommunikationsformen in Ingenieurwissenschaften in die Lehrveranstaltung.

Wir haben viele Ziele. Eines ist, Gender Mainstreaming und Genderforschung mit Ingenieurwissenschaften zusammenzubinden und die Konzepte, die hinter diesen Begriffen stehen, zu erschließen – auch in der Bedeutung für Hochschul- bzw. Wissenschaftspolitik. Ein anderes Ziel wird sein, Genderkompetenz auf die eigene Fachkultur in den Prozesswissenschaften und eigene Fachgegenstände anzuwenden. Darüberhinaus soll mit Genderwissen und Anwendungsbezug die Befähigung zu Vermittlung von Genderkompetenz in und für die Prozesswissenschaften erworben werden. Dies geschieht im Rahmen von Projektarbeiten. Hier fragen angeleitete Kleingruppen, wie Geschlechterkonzepte z.B. in Laborpraktiken wirksam sind. Und welche Rollen, welches Handlungsvermögen so zugleich Frauen und Männern zugebilligt wird. Eine andere Gruppe erarbeitet fachbezogene Forschungsanträge, die im Sinne der EU-Forschungsmittelvergabe Gender Mainstreaming berücksichtigen. Eine weitere Arbeitsgruppe wird zur gendersensiblen Analyse von Lehrbedingungen in Prozesswissenschaften ein Evaluationsinstrument erstellen – und anwenden.

Wir gestalten das Seminar projekt- und problemorientiert. Auch dies heißt Integration von Gender in Lehre: Unterschiede in Lernstilen, in Lerntypen, von lebensweltlichen Erfahrungen und Interessen im Seminar sichtbar und zum Ausgangspunkt von Lernprozessen zu machen. Und: Wir machen öffentlich und speisen mit Präsentationen die Projektergebnisse in die Fakultät ein. Und wieder ist dies Integration von Gender: In Kontakt kommen, kommunikative Kompetenz ausbauen und die Veränderung der Strukturen initiieren, in denen Menschen auf die begrenzte Rolle als „Mann / Student“ und die Rolle der unsichtbaren „Studentin / Frau“ fixiert werden. (Näheres zu dieser Lehrveranstaltung ab Oktober unter http://www.ginut.tu-berlin.de)

Mit dem genderLabor als einem Teil des Projektes GiNUT hat Gender Mainstreaming die Prozesswissenschaften der TU Berlin ereilt. Seit Juli 2007 arbeiten wir in der Fakultät III als wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen an der Integration von Gender in Natur-, Umwelt- und Technikwissenschaften (GiNUT). GiNUT verdankt seine Existenz zentralen Hochschulmitteln aus dem Programm OWL (Offensive Wissen durch Lernen) - und der Intervention und Konzeption des Projekts seitens frauenpolitisch engagierter Frauen und Männer der Fakultät III. Eine Existenz, die vorerst bis März 2007 – und längstens bis März 2008 - währt.

GiNUT nimmt die Unterrepräsentanz Frauen in Ingenieurswissenschaften und auf den Karrierewegen dorthin – in Ingenieurstudium – zum Ausgangspunkt. Das Konzept der Verankerung einer Genderperspektive in Lehre und Studienorganisation soll beitragen, dass typische Männerstudiengänge und mitunter männlich-geschlechtshomogen besetzte Absolventengruppen in Ingenieurwissenschaften ebenso Vergangenheit werden wie die Sonderrolle von Studentinnen als Fremdkörper in `Männerprojekt Ingenieurswissenschaften´.

Die Nachhaltigkeit der Verankerung von Gender in der Lehre der Fakultät III wird über vier Strategien verfolgt: Das genderLabor vermittelt als Pilotvorhaben, was Genderintegration auf der Ebene von Lehre in Prozesswissenschaften qualitativ heißen kann. Diese Perspektive erfahren die Studierenden. Eine in Modulbauweise angelegte Fortbildungsreihe für Lehrende soll zusätzlich sichern, dass die Lehrenden in den Prozesswissenschaften unabhängig von diesem Pilotvorhaben in der Lage sind, Genderintegration in ihren Fachinhalten und Didaktik zu leisten. Mit dieser Strategie soll die Verstetigung gendergerechter Lehre in quantitativer Hinsicht sichergestellt werden.

Die Fortbildung wird sich an den Inhalten des genderLabors orientieren. Lehrende bekommen mit dem Wissen z.B. über fachspezifische Genderaspekte und gendersensible Didaktik und Lehrveranstaltungs- und Studiengestaltung zugleich ein Sensibilisierungsinstrument an die Hand, dass ihnen die verschiedenen Ebenen gendersensibler Lehre (Inhalte, Didaktik, Lehrmethoden, Kommunikationsformen, Studienanforderungsprofile, Berufsbilder, Leistungsbemessung, Evaluation, etc.) transparent macht und Übertragung auf ihre Seminarsituationen ermöglicht. Die kollegiale Beratung –eine Unterstützung unter FachkollegInnen – ist das methodische Zentrum der Fortbildung. Verfolgt wird der im genderLabor zugrunde gelegte Ansatz, die Lehre vom Lernen her neu zu denken. Die Lernenden mit ihren unterschiedlichen Lebenslagen und ihren qua Geschlechterzuweisung unterschiedlich zugemessenen Handlungskompetenzen und Lernbedingungen sollen in das Zentrum der Lernprozesse gerückt werden.

Lehrinhalte sind Forschungserkenntnisse. Um die Integration von Gender in Lehre mittels Produktion gendersensibler Forschungsergebnisse nachhaltig zu unterstützen aktualisieren wir auch Planungsprozesse von Forschungsvorhaben. Wir reichern deren Planungs- und Antragsphase um Fragen nach dem inhaltlichen, organisatorischen und planerischen Genderbezug der Forschung an. Forschungsvorhaben erbringen zukünftig dann geschlechtergerechte Ergebnisse, wenn sie den Genderfocus in der Forschung berücksichtigen. Wo EU-Forschungsgelder erfolgreich beantragt werden sollen gilt: Der Gender Mainstreaming Prozess auf EU-Ebene setzt einen Gender Action Plan bei Forschungsvorhaben voraus. Wir beraten und geben den Antragsstellenden Leitfäden an die Hand, mit denen sie die Gender in ihre Forschungsvorhaben reflektieren und den Gender Action Plan erstellen können.

Kein Veränderungsprozess ohne die Frage: Läuft er in die gewünschte Richtung? Wird der verfasste Bildungsauftrag zu chancengleicher Ausbildung umgesetzt? Gibt es Schwachstellen? Sind Lehre und Studienorganisation gendersensibel? Wird der Karriereweg Ingenieurstudium durchlässiger für Studentinnen? Verlassen zukünftig mehr Ingenieurinnen diese Hochschule? Oder gilt weiterhin, das sich Frauen der doppelten Herausforderung beugen müssen: Die Sonderrolle der Frau in einer Männerdomäne zu entkräften  u n d  ihre fachliche Kompetenz als Studentin zu beweisen? Und: Müssen sich Männer weiterhin als erfolgreiche Studierende behaupten und zugleich den spezifischen Rollenerwartungen von Ingenieuren als männlichen Helden (siehe oben zitierte TAZ) entsprechen?

All dies ist Bestandteil von Evaluation der Lehre, der Lehrveranstaltungen, von Studiengängen oder Studienbedingungen, ‑ oder könnte es sein, wenn der Blick der Evaluierenden die gendersensible Perspektive einbezieht. Dafür steht GiNUT. Die Nachhaltigkeit einer Integration von Gender in die Lehre zu sichern heißt: mittels Evaluation die Baustellen in Lehre, Studienorganisation, Studienbedingungen sichtbar zu machen, an denen gendersensible Ausbildungsorte zu bauen sind; heißt auch, Prozesse - das genderLabor, Fortbildung für Lehrende, Forschungsberatung - in Gang zu setzen, die aus Baustellen Lernstätten machen. Lernstätten, die in Lehre und Lernen statt der Einfallt des Stereotyps Ingenieur = Mann = Held vielfältige Lebenslagen berücksichtigen; und heißt noch, mittels Evaluation das Voranschreiten der Bauarbeiten zu reflektieren.

Die Beteiligung an den Evaluationsvorhaben der Fakultät III ist die vierte Strategie des Projektes GiNUT zur Sicherung einer nachhaltigen Integration von Gender. Möge dieses Projekt mittels Evaluation eines Märztages die Erfüllung aller Ziele feststellen – und sich für überflüssig erklären.

 


[1]Eine Ausnahme bildet Diplom - Lebensmitteltechnologie Diplom mit 62% Studienanfängerinnen im WS 2006/7. Im zweiten Semester schrumpfte zudem die Jahrgangsgruppe und der reale Studentinnenanteil z.B. in Technischer Umweltschutz (SS 07) auf real 34 Studentinnen (vorher 38) und 55 Studenten (vorher 57). Die Zahlen sind der TU Hochschulstatistik entnommen.

[2] Heublein, Ulrich; Spangenberg, Heike; Sommer, Dieter 2003: Ursachen des Studienabbruchs. Analyse 2002. Hesg, von der Hochschul-Informations-Systeme Hannover GmbH (HIS), Hannover, S.22ff.37% betreffen den Studiengang Informatik. Leider wurde hier nicht nach Geschlechtern getrennt untersucht.

[3] 2005 lag die Quote für absolvierte Hauptprüfungen in Maschinenbau bei 12%  Absolventinnen, bei Lebensmitteltechnologie (Diplom) bei nahe 46%. Die Zahlen sind der TU Hochschulstatistik entnommen.

 

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